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Erstes Hallo aus Mt.Sterling

Eine Idee, die vor Jahren aufkam, monatelange Vorbereitung. Und ploetzlich ging es dann wirklich los. Am Mittwoch, 6. Januar sind wir losgefahren zum Flughafen. Die Reise war lang, und nach 3 Stunden Schlaf ist 25 Stunden wach bleiben (weil Schlafen im Flugzeug nicht geklappt hat und am Flughafen auch nicht die beste Idee waere) nicht so witzig. Zwischendurch durfte ich noch knapp zwei Stunden an der langen Schlange der Einreise- und Immigrantenkontrolle in Chicago anstehen, was leider im doppelten Sinne ermuedend war. Aber trotzdem war ich gut gelaunt, als ich endlich am kleinen Flughafen von Madison, der Hauptstadt von Wisconsin, ankam. Meine Gastfamilie und meine Betreuerin von der Organisation haben mich herzlich in Empfang genommen. Wir haben meinen Koffer geholt und mit der Betreuerin noch einige organisatorische Punkte besprochen und dann ging es endlich auf den Weg zu meinem neuen Zuhause. Dort wurden mir schnell alle Raeume gezeigt und anschliessend konnte ich endlich schlafen. Jetlagbedingt zwar nicht sehr lange, aber es war trotzdem schonmal eine Menge wert.
 
Am Donnerstag haben wir uns alle freigenommen, also konnte ich mich mit meiner neuen Familie vertraut machen, die aus meinen Gastmuettern Amy und Becky, meiner Gastschwester Macenzie, den Katzen Miss Peabody und Mr Bobo sowie dem Fisch Pedro besteht. Wir haben uns schnell gut verstanden, auch im woertlichen Sinn, denn auch wenn ich dazu neige, viele deutsche Woerter dazwischenzumischen, kann man sich immer irgendwie verstaendlich machen. Kleine Deutschkurse gibt es auf Wunsch auch: Amy kann jetzt Ja, Nein, Wasserflasche und Achterbahn sagen und erzaehlt es gerne allen, wenn wir Mais essen, da sie das Wort dann auch im Englischen gebraucht und alle an "Mice" denken, woraufhin Amy ihnen dann vom deutschen Wort erzaehlt.
 
Da die Strassenverhaeltnisse am Freitag so schlecht waren, dass die Schule ausfiel und meine Gasteltern auch nicht zur Arbeit gegangen sind, hatten wir ein langes Wochenende zusammen. Wir waren Schlitten fahren , sind aber sonst meist zu Hause geblieben, weil es so kalt war. Ich finde den ganzen Schnee super, aber an oft um die -20 Grad Celsius muss man sich schon erst noch gewoehnen.
Ich habe immer die Maedchen fuer verrueckt gehalten, die bei uns im Winter mit kurzem Rock rumlaufen, aber einige Maedchen hier machen das auch. Das ist uebrigens ein ungewoehnlich warmer Winter.
 
Ich verstehe mich wirklich gut mit meiner Gastfamilie, es ist oft sehr lustig und in unserer Maedchenrunde sehr entspannt. Mein Zimmer, das ich fuer mich alleine habe, ist gemuetlich und kaum kleiner als meins zu Hause, ich habe also viel Platz, um Unordnung zu schaffen. Was ich allerdings bisher noch vermeiden konnte .
Die meiste Zeit verbringen wir gemeinsam. Wir haben ein sehr kompliziertes Puzzle vom Times Square so gut wie geloest und auch ein paar Filme geguckt. Zumindest in meiner Familie ist es gar nicht so schlimm mit dem Essen. Es ist immer etwas Ungesundes im Haus, wenn man es essen moechte, kann man, aber die Mahlzeiten aehneln unseren sehr und sind auch nicht unbedingt ueppiger oder haeufiger. Nachtisch essen wir selten.
Aber man merkt schon das Problem der Uebergewichtigkeit in den USA: Im Gegensatz zu Deutschland faellt vielleicht ein Drittel der Leute in der Schule in die Kategorie duenn, von den wirklich zierlichen Leuten gibt es nur wenige. An Suessigkeiten- und Getraenkeautomaten stehen Kalorienzahlen und Fettmengen und insgesamt findet man dort viele (angeblich) kalorien- und zuckerfreie Lebensmittel, insbesondere Getraenke.
Aber trotzdem ist Sport hier sehr wichtig. Zu den wichtigeren Spielen kommen viele Leute, bei weitem nicht nur die Eltern der Spieler. 
 
Und damit komme ich dann auch zur Schule: Alles spielt sich irgendwie hier ab, ich verbringe in der Woche den ganzen Tag hier. Wenn um fuenf nach halb vier die Schule zu Ende ist, hat man entweder Training oder spaeter ein Spiel, vorausgesetzt, man macht eine Sportart. Und entspannter ist das Training auch nicht, es wird meistens viel gelaufen. Nach Hause kommt man etwa gegen sechs, wenn man ein Spiel hat zwischen halb neun und zehn. Hausaufgaben werden abends gemacht oder im Homeroom. Das ist die erste Stunde (auch wenn sie hier nullte Stunde heisst, sie ist so lang wie alle anderen), in der aber auch oft Treffen mit Clubs oder dergleichen stattfindet, und die zwanzig Minuten nach der letzten Stunde.
Es gibt jeden Tag sieben Stunden, jeden Tag die gleichen - von Sonderregelungen abgesehen, ich habe z.B. mittwochs in der fuenften Stunde Floetenunterricht statt die normale Stunde.
Ich habe mir einen sehr entspannten Stundenplan ausgesucht. Eine Stunde ist Band, in einer anderen helfe ich mit den kleinen Kindergartenkindern. Ueber die Faecher mit wirklichem Unterricht kann ich noch nicht viel berichten, denn diese Woche war die letzte des ersten Semesters und alle hatten ihre Abschlusspruefungen, die Finals. In allen Faechern, mehrere, aber nie alle an einem Tag. Wenn einer der Lehrer ueber zwei Stunden schreiben moechte, teilt er das auf zwei Tage auf.
Die Jahrgaenge sind nicht unterteilt, also haben auch die Zwoelftklaessler, die die Schule verlassen (durch passende Planung machen das drei oder vier Schueler schon jetzt nach dem Halbjahr) hoechstens zwei mal einstuendige Arbeiten pro Fach als Abschlusspruefung. Entspannt, oder?
Ich habe meistens waehrend der Pruefungen gelesen, nur Spanisch habe ich unbewertet mitgeschrieben (mein Kurs ist auch im dritten Lernjahr, ist aber weit hinter uns) und im Fach Shakespeare habe ich beim ersten Teil des Examens mitgeholfen: Das war ein Spiel, in dem aus zwei Gruppen der Klasse immer zwei Leute im Duell gegeneinander antreten und die vorgelesenen Zitate den fuenf Stuecken, die ueber das Semester durchgenommen wurden, zuordnen mussten. Ich habe die Punkte gezaehlt. Soweit ich weiss, hat das Spiel nicht gezaehlt, aber zum Mitlesen hat der Lehrer die Arbeiten (genau die, die am naechsten Tag geschrieben wurden!) ausgeteilt und die Zitate waren dementsprchend die gleichen, nur nicht ganz alle. Die Zettel mussten wieder abgegeben werden. Trotzdem hatten seltsamerweise am naechsten Tag in der Pruefung alle ein A, die hoechste Note.
Ausserdem habe ich die Abschlusspruefung in Band mitgeschrieben: Jeder hatte eine Karteikarte, musste seinen Namen draufschreiben, dann den Satz "Music is important, because..." beenden und auf die Rueckseite das schoenste Bild von sich selbst beim Spielen seines Musikinstruments malen. So eine Pruefung will ich in Deutschland auch haben! Die anderen waren aber schon schwieriger. 
Nach der ersten Unterrichtsstunde gibt es 10 Minuten Pause zum Fruehstuecken, sonst gibt es immer vier Minuten lange Pausen, in denen man den Raum wechseln und zum Schliessfach gehen kann, die Stunde selbst ist dann 46 Minuten lang. So kommen dann kreative Zeiten zum Unterrichtsende zustande wie "11:27".
Man nimmt immer nur die Sachen fuer die naechste Stunde mit und laesst den Rest im Schliessfach, im Locker. Anders als die kleinen Faecher an unserer Schule sind das schmale, knapp 2 Meter hohe Schraenke, jeder hat einen fuer sich. Abschliessen kann man den nur mit einem selbst mitgebrachtem Schloss, das macht aber keiner.
Mittagessen ist in den 30 Minuten zwschen der vierten und fuenften Stunde. Treppen haben wir an unserer Schule nicht, es ist alles auf einer Etage, was es nicht unbedingt uebersichtlicher macht. Trotzdem findet man sich hier schnell zurecht.
Wir gehen immer in die Raeume der Lehrer. Der Umgang mit denen ist deutlich entspannter. Solange man das Handy auf lautlos hat (benutzen ist selten verboten) und immer auf die Lehrer hoert, darf man eigentlich alles. Lehrer haben mich laut vor den verrueckten Personen im Raum gewarnt oder mich denen mit Warnung fuer mich vorgestellt, gegenseitig werden Bemerkungen ueber Haare und Klamotten ausgetauscht und die meisten haben mich zur Begruessung umarmt.
An meiner Schule sind noch 5 weitere Austauschschuelerinnen (keine Jungs) aus Italien, zweimal Spanien und zweimal Mexiko. Mit denen komme ich auch gut klar, man kann gut Erfahrungen austauschen. Sie sind alle schon seit Beginn des Schuljahres hier, kennen sich also aus und helfen mir gerne.
 
Ich habe bislang zwei Spitznamen bekommen, weil wirklich keiner meinen Namen richtig sagen kann (die Lehrer versuchen es immer mehrmals): RiRi beim Basketball und Rica in der Schule sonst, weil sich alle meinen Namen mit Costa Rica gemerkt haben. So oder Rieker wird mein Name jetzt auch immer geschrieben.
 
Ich koennte jetzt noch so viel mehr erzaehlen, aber ich moechte niemanden langweilen und ein bisschen muss ja auch noch fuer die naechsten Eintraege bleiben. Also: Danke an alle, die sich durch diesen Eintrag durchgequaelt haben. An die Leute aus meinem Jahrgang: Viel Spass im Praktikum! Ich wuensche allen ein schoenes Wochenende und bis bald :D
Rieke

16.1.16 10:05

bisher 7 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Britta Avermann (18.1.16 14:28)
Rieke freut sich über Kommentare - dann mekrt man wenigtens, dass der Blog gelesen wird...


dito (18.1.16 14:29)
ohje - "dann merkt man wenigstens" - theoretisch kann ich schreiben


Nina (18.1.16 17:47)
Hey Rieke,
ich habe gerade deinen Blog gelesen und ich fand es super interessant! Schreib auf jeden Fall weiter, ich würde mich freuen

NINA


Rieke W (21.1.16 21:51)
Hey Rieke !!
Witzig, wie die Amerikaner unseren Namen so aussprechen!!
Ich freue mich, dass es dir gefällt :-)


Alica (26.1.16 11:42)
Hey Rieke, habe mir gerade deinen Text durchgelesen hat echt Spaß gemacht den zu lesen mach auf jeden Fall weiter damit.
Freue mich das es dir dort so gefällt :-)
Alica


WK Avermann (31.1.16 16:01)
Hallo Rieke
Wir sitzen gerade mit Oma und Opa beim Kaffee und denken an dich!
Hoffen das es dir gut geht.

LG aus dem regnerischen Westerkappeln


Lisa D. (5.2.16 18:10)
Das hört sich alles an wie bei High school Musical an 😰 wenn man das so ließt bekommt man richtig Lust selber mal ein Jahr im Ausland zu verbringen😊 Hoffe die Kälte macht dir nicht allzu schwer zu schaffen, -20° ist schon echt heftig, wenn man bedenkt das wir hier mit viel Glück auf -10° kommen 🙈 viel Spaß und lass mal wieder von dir hören 😊💕

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