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Der letzte Blogeintrag :(


Das war also Wisconsin. Unglaublich, dass es jetzt alles schon vorbei ist - es ging sehr schnell vorbei, wie wohl immer, wenn man eine gute Zeit hat. Das ist wohl der letzte wirkliche Eintrag im Blog - vielen Dank, dass ihr den immer verfolgt habt, das weiß ich wirklich zu schätzen. Ich kann euch nur nochmal versichern, dass es eine großartige Zeit mit vielen tollen neuen Erfahrungen war.

 

Am vorletzten Wochenende der Schulzeit haben wir Austauschschüler mit unserer Betreuerin der Organisation, Jen, einen Ausflug zu den Wisconsin Dells gemacht. Das ist eine Freizeitparkgegend, da sind eben mehrere getrennte Wasser- und Freizeitparks, drinnen und draußen. Das hat eine Menge Spaß gemacht. Die einzige Sache, die bei den Wasserparks gestört hat, war, dass es zwar viele Rutschen und so gab, aber keinen wirklichen Bereich nur zum Schwimmen oder Ball spielen oder sonst was. Das einzige Mal, dass ich irgendwas anderes gesehen habe, war in einem Fitnessstudio. Und es gab einen "ruhigen" Bereich für ab 18jährige, da sind wir auch reingegangen ( :D ), aber es war ein Whirlpool, man konnte nicht wirklich schwimmen. Wir haben in den vielen Läden zwei T-Shirts gesehen, die wir beinahe gekauft hätten, einfach wegen der Ironie. Das erste wäre vor allem für uns zwei Deutsche lustig (und traurig bis schockierend) gewesen. Es sagte: "America Back to Back - World War Champs". Back to Back ist eben gleich zweimal hintereinander. das andere zeigte ein Bild von den Vereinigten Staaten und darunter hieß es: "Fuck off, we're full". Naja, ob ich irgendeinen Amerikaner mögen würde, der das trägt... Eher nicht. Wir haben auch keins von denen gekauft, es war nur etwas entsetzend und lustig.

Am letzten Schulmittwoch sind wir mit einer großen ("" Gruppe Seniors nochmal zu den Dells gefahren, in einen anderen Park, aber auch das war sehr lustig. Nicht, dass es auch nur annähernd so gut gewesen wäre, wie die bei uns sind, aber mit den richtigen Leuten kann man auch einen Indoor-Freizeitpark mit extrem langen Schlangen zu mittelmäßigen Attraktionen genießen. 

 

In meinem Woodworking Kurs habe ich also einen Tisch gebaut! Einen kleinen Beistelltisch auf den ich ziemlich stolz bin. Ich wollte noch eine kleinere Sache bauen, eine Schale oder einen Becher, aber mit den Theaterkulissen, die wir gebaut haben, ist keiner von uns mit mehr als dem Tisch fertig geworden. Den konnte ich jetzt also selbstverständlich nicht mitnehmen, aber nun hat der Fisch meiner Gastfamilie einen neuen Platz, und die drei (plus Fisch) können sich daran erfreuen. Ich habe auch viele Fotos davon gemacht.

 

Die letzte Schulwoche war extrem stressig. Anders als bei uns zählen die Noten bis zum letzten Tag und man bekommt die "Report Card" dann per Post zugeschickt. Außerdem hatten wir ein Internetprogramm, auf dem die Lehrer alle Noten eingeben und die Schüler das Ergebnis jeder Arbeit und die Mitarbeitsnote für jeden Tag abfragen können. Wir hatten auch die Finals, also die Abschlussprüfungen alle in der Woche. Freitag war kein wirklicher Unterricht, vor allem für die Seniors, die nur eine Probe für die Zeremonie am folgenden Tag hatten und sonst nur denen Auf Wiedersehen gesagt haben, die nicht zur Graduation oder einer der Partys gekommen sind, und Mittwoch war der Trip, also war nicht viel Zeit. Der Abschlusstest bei der ernsthafteren Englischlehrerin (der andere Lehrer ist lustiger, aber man lernt viel weniger) bestand für alle Seniors und uns Austauschschüler aus dem "Senior Arrow". Da haben wir eben alle einen Pfeil gebastelt, auf dem unser Name und der nächste Schritt in unserem Leben stand, also für die meisten das jeweilige College, für fünf von uns sechs Austauschschülerinnen (eine war nach Schulabschluss gekommen) die Schule in unserem Land. Drei von uns haben die Meilen, die es bis dahin sind, noch daraufgeschrieben, wie es eben auf einen wegweiserartigen Pfeil gehört. Die Mexikanerin unter uns hat noch "Go, Trump" draufgeschrieben - wie ihr euch jetzt vielleicht denken könnt, ist sie oft sehr sarkastisch.

 

An North Crawford haben wir die Tradition des Filmfests. Viele Kurse oder einfach engagierte Gruppen haben Filme gemacht. Zum Beispiel haben wir, der Spanisch 3 Kurs, einen auf Spanisch mit englischen Untertiteln gemacht - wie jedes Jahr. Unser Film war so ziemlich "Der Bachelor" (die Fernsehshow, wo ein Haufen Frauen zusammenkommt und sich ein Mann über mehrere Wochen aus denen seine Verlobte aussucht), nur dass wir anstelle einer Frau ein Prom Date für den einzigen Jungen unseres Kurses gesucht haben - unter uns, versteht sich. Natürlich waren wir alle sehr seltsame Charaktere, um es möglichst lustig zu machen. Ansonsten hat der elfte Jahrgang ein ziemlich lustiges Video gemacht, wo ein Basketball von Person zu Person gepasst wurde, die alle an anderen Orten waren (je ihrem Hobby entsprechend), aber der Ball wurde so geworfen, dass es aussah, als ob es direkt von Person zu Person ging. Insgesamt hatten wir etwa 10 Videos/Filmchen, es war sehr lustig. 

 

Das letzte große Ereignis der Schule war die Graduation Zeremonie. Wir alle hatten die Hüte und Umhänge an mit der "Tassel", also diesem Anhänger dran, der während der Zeremonie vom Schulleiter auf die andere Seite gedreht wurde als Zeichen, dass die Schule vorbei ist. Dann haben wir unsere Diplome/Abschlusszeugnisse oder unserem Fall Anwesenheitsbestätigungen erhalten, dafür wurden wir in alphabetischer Reihenfolge aufgerufen und sind alle über die kleine Bühne gegangen. Das hat nicht lange gedauert, mit uns waren es 38, glaube ich. Ansonsten gab es die kurze Rede vom Schulleiter, drei längere von einmal den Jahrgangssprechern (die nur diese Rede zum Zusammenfassen der 12 gemeinsamen Schuljahre (von denen, die ein paar Jahre lang von zu Hause aus unterrichtet wurden oder später dazugekommen sind, abgesehen) und für einen scherzhaften Überblick der typischen Merkmale der Seniors gemacht haben) und dann noch je eine von den beiden besten Schülern, die so ziemlich immer eine Eins (oder eben A) in allen Fächern hatten und außerdem in so ziemlich allen Clubs und Sportarten mitgemacht haben, ohne dass es ihre Noten beeinflusst hat. Dann haben die Schüler, die beim Blutspenden entweder gespendet oder beim Organisieren geholfen haben, ein rotes Band zum Umlegen bekommen, und die mit einem bestimmten Notenschnitt ein goldenes (wir Austauschschüler wurden nicht mitgezählt, sonst hätten wir alle dazugehört; wir sind anderes gewohnt und im Ernst, gute Noten auf einer amerikanischen High School kriegen ist ein Witz). Vorher wurde noch eine PowerPoint Präsentation gezeigt mit Fotos aus allen Jahren von den Seniors. Raten, wer wer ist, war sehr lustig. Dann kamen viele Verabschiedungen - es war so traurig. 

 

Aber von vielen musste ich mich noch nicht verabschieden, oder ich habe es trotzdem gemacht, die Leute aber doch nochmal wiedergesehen - die meisten waren nämlich bei mindestens einer der Graduation Partys, die die Seniors an verschiedenen Tagen gemacht haben (viele aber natürlich doch am gleichen Tag, also haben wir Partyhopping gemacht; man bleibt bei jeder Party für eine Stunde, isst was, und geht dann zur nächsten), oder bei der großen Abschiedsfeier, die wir Austauschschüler aus 4 verschiedenen Schulen gemeinsam veranstaltet haben. Es war hart, all meinen neuen Freunden auf Wiedersehen zu sagen - die Neunt- und Zehntklässler sollte ich ja wohl nochmal wiedersehen, hoffe ich, aber was ist mit denen, die dieses und nächstes Jahr die Schule verlassen, und den anderen Austauschschülern? Es ist extrem unwahrscheinlich, dass viele von den Leuten zur gleichen Zeit wieder da sein werden, wenn ich mal zu Besuch komme. Aber besuchen werde ich auf jeden Fall!

 

Und dann war es ja auch schon Zeit, die Koffer zu packen (ja, die, ich habe mir einen zweiten gekauft und beide sind voll) und abzufliegen. Tschüss, Wisconsin! Wir werden uns wiedersehen. Mit meiner Gastfamilie und der besten Freundin meiner Gastschwester sind wir nach Kalifornien geflogen. Nach dem stets grünen Wisconsin sah San Diego sehr braun und rot von oben aus, oder, wie die Kalifornier ihre Hügel mit dem vertrockneten Gras drauf gerne beschreiben, golden. Erstmal hatte einer meiner Koffer den Flug verpasst, also mussten wir, nachdem wir unser gemietetes Auto gefunden hatten, zurück zum Flughafen und den abholen, denn er war mit dem nächsten Flug hinterhergekommen. Eine Weile waren wir noch am Strand; es war zu kalt für Schwimmsachen, aber am Ende sind wir doch schwimmen gegangen, dann halt in normalen Klamotten. Am nächsten Tag waren wir im San Diego Zoo - sehr schön, viele Tiere, die es sonst nicht so oft in Zoos gibt, und sehr sonnig war es auch - ich habe mir meine Schultern ordentlich verbrannt, nach drei Tagen (mit weiterer Sonne) haben die noch ziemlich weh getan. Am folgenden Tag sind wir nach L.A. gefahren. Vorher haben wir in Laguna Beach angehalten und waren schwimmen. Der nächste Stopp war der Hügel gegenüber vom Hollywood Schriftzug, von dem wir natürlich viele Fotos gemacht haben. Auf dem Hügel war auch ein Observatorium mit netten Erklärungen zu vielen physikalischen und allgemein naturwissenschaftlichen Phänomenen und einem Foucaultschen Pendel im Zentrum - wirklich sehr interessant.

 

Der nächste Stopp war dann der Walk of Fame mit all den Sternen. Sehr, sehr viele Namen, die ich nicht kannte, aber von vielen habe ich ein Foto gemacht, wenn ich den Namen oder oft auch das Gesicht dazu kannte. Noch interessanter war der Platz mit den Hand- und Fuß- (in einem Fall auch Mund-)abdrücken und Unterschriften von bekannten Personen. Viele Leute waren da, die uns etwas verkaufen oder insbesondere ihre eigene Musik andrehen wollten. Ein Mann hat damit Geld gemacht, dass er jemandem seine Papageien in die Hand drückte oder auf die Schulter setzte, die Begleiter von denen in verschiedenen Positionen Fotos machen ließ und dann auf Bezahlung hoffte - oder die erwartete, aber man konnte den Betrag selbst bestimmen. Das hat er erst mit meiner Gastschwester, dann mit mir gemacht - sind einige nette Fotos bei rumgekommen. Viele hoffen ja sicher, auf dem Walk of Fame bekannte Leute zu treffen. Haben wir quasi auch, wir sind zwei YouTubern über den Weg gelaufen. Ich kannte die nicht, zumal es ja auch amerikanische waren, aber meine Gastschwester und ihre Freundin haben Fotos mit denen gemacht und waren noch eine Weile danach total aufgeregt - alle Freundinnen sind wohl total neidisch, die sind anscheinend sehr beliebt hier. 

 

Dann sind wir auch schon in Sacramento angekommen, haben kurz beim Capitol angehalten und sind dann weitergefahren zu meiner Tante, die ganz in der Nähe wohnt. Nach einigen Plaudereien - draußen, weil mein Cousin Grippe hatte - musste ich mich dann von meiner Gastfamilie verabschieden. Das war hart, glaubt mir. Aber es war besser, als von da aus direkt ins Flugzeug zu gehen - so war ich abgelenkt und habe mich mit Koffer (halb) auspacken und Haus angucken beschäftigt anstatt zu viel darüber nachzudenken, dass ich die anstatt wie bisher jeden Tag für eine lange Zeit nicht mehr sehen werde und ich, auch wenn ich wiederkomme, von jetzt an immer nur noch ein Gast sein werde über kurze Zeit, nie mehr wirklich ein Teil des Ganzen - der Familie, der Schule. 

 

Hier bei meiner Tante ist es sehr schön. Die haben einen Pool und einen Hund, und ich habe viel Freizeit - keine Schule. An einigen Tagen gehe ich mit meiner Tante ins Fitnessstudio. Samstag waren wir mit meinem Onkel und meinem Cousin in San Francisco. Tolle Stadt - wir hatten viel Glück mit dem Wetter, es war warm, aber (wie immer da) nicht heiß, und vor allem war kein Nebel da. Sonst kommt es vor, dass man die Golden Gate Bridge kaum sieht, weil sie im Nebel versunken ist. Wir haben die Stadtrundfahrt sehr genossen, es gab viel zu sehen. 

 

Ich habe mal versucht, einen Teil der Sachen zusammenzufassen, die ich hier vermissen werde oder die einfach anders sein werden. Das sind natürlich zuallererst die Leute, meine Gastfamilie, meine Freunde. Dann wird es sicher schwierig, sich an den schwierigeren Unterricht in Deutschland zu gewöhnen - Tests, die größtenteils aus Multiple Choice Fragen bestehen und in denen wir außerdem noch unsere Notizen benutzen können, schreibt man wohl gerne. Eins der besten Sachen, die ich gemacht habe, war das Theaterstück. Das North Crawford Playhouse ist einfach super! Haustiere zu haben, ist auch sehr nett, obwohl es schon nervt, dass man immer, absolut immer Haare überall hat, auf den Klamotten, in den Schuhen, nicht selten auch im Essen. Viele Gewohnheiten sind auch verschieden - sei es die Zeit, zu der man ins Bett geht, oder dass man Hausaufgaben fast immer morgens in der Schule macht, oder dass jeder Schultag den gleichen Stundenplan hat. Es wird mir wahrscheinlich auch komisch vorkommen, nicht mehr überall die amerikanische Flagge zu sehen. Wirklich überall. In jedem Klassenraum, vor vielen Häusern, auf vielen Kleidungsstücken,.... Wie wir im Winter Weihnachtsdekoration an jeder Straßenlaterne haben, haben viele Städte Flaggen. An jeder Laterne. Manche kritisieren ja an amerikanischen Filmen, dass man ständig die amerikanische Flagge sieht - das geht aber nicht anders. Es wäre nicht authentisch, wenn nicht an jeder Ecke eine wäre.

 

Aber es gibt auch viele Sachen, auf die ich mich freue, oder die einfach wieder normal sein werden. Radio ohne Werbung! Öffentliche Toilettenkabinen mit Privatspäre. Wenn es nicht ein einzelner Raum war, hatten die Kabinentüren immer breite Lücken. Ich habe genau eine gefunden, während ich hier war, in der ich mich nicht die ganze Zeit beobachtet fühlte. Apfelschorle wird auch super sein. Klischee, ich weiß, aber Mineralwasser gibt es hier so gut wie gar nicht, und ich bin kein Fan von Leitungswasser oder auch Wasser in Flaschen ohne Kohlensäure, und Sprudelwasser hier hat so gut wie immer noch extra Geschmack. Besser als nichts, aber ich freue mich doch wieder aufs Gewohnte. Es wird auch nett sein, die Sprache wieder komplett zu beherrschen. Auch wenn Englisch jetzt total normal ist und ich nicht nachdenken muss, um Gewohntes zu sagen, fehlen doch viel zu viele Vokabeln. Und wenn man versucht, eine vernünftige Unterhaltung oder auch nur etwas anderes als Smalltalk zu führen, nervt das mit der Zeit doch. Auch wenn ich total verwirrt bin mit den beiden Sprachen im Moment - ich vermische es. Wenn ich versuche, Deutsch zu sprechen, mixe ich englische Worte dazwischen, oder ich suche ewig nach einem Wort und mir fällt nur das englische ein. Ich habe schon so einige Nachrichten auf WhatsApp oder so halb auf Englisch getippt, bevor es mir aufgefallen ist. Gute Schokolade wird auch wieder nett sein! Wir haben hier Snickers und so, ist nicht schlecht, aber nicht zu vergleichen mit Milka, Kinder oder Lindt. Die Auswahl von denen, die meine Familie mir geschickt hat, wurde sehr glücklich angenommen, danke! (Eine Freundin von mir hat einen Kinderriegel bekommen, und sie sagte, dass das ihre Lieblingsschokolade ist, und dass sie, wenn sie mal nach Europa geht, mit einem Koffer voll von Kinder zurückkommen würde. Nach einem kleinen Lachanfall habe ich ihr dann erklärt, dass das sehr illegal wäre und was Kinder auf Englisch heißt. Es war sehr lustig.) Rieke ist so ziemlich der ungünstigste Name, den man haben kann, wenn man viel reist. Es wird schön sein, nicht mehr jedem meinen Namen buchstabieren und mindestens einmal wiederholen zu müssen und ihn dann in verschiedenen Stufen von halbwegs okay zu hören. Und wieder selbst irgendwohin fahren zu können! So weit weg von allem auf dem Land (obwohl es selbst da noch viel Schlimmeres gab, wir haben es auf der Suche nach den Graduation Partys herausgefunden) ist man immer auf ein Auto angewiesen, man muss immer jemanden bitten, einen irgendwohin zu fahren. 

 

Und natürlich freue ich mich auf euch alle, meine Familie, meinen neugeborenen Cousin und meine noch jüngere Großcousine, meine Freunde! Nächste Woche geht es zurück, und ich freue mich wirklich sehr, die meisten von euch wiederzusehen! Den Rest dann wohl im Laufe der Sommerferien oder kurz danach. Danke, dass ihr den Blog gelesen und euch immer dafür interessiert habt, wie es mir geht. Bis bald! 

 

Liebe Grüße,

 

eure Rieke

 

Graduation


 Mein selbstgemachter Tisch :D


 mit Papageien

 

2 Kommentare 13.6.16 15:24, kommentieren

Kalifornien...

 Golden Gate Bridge

 

 Twin Peaks in San Francisco

12.6.16 12:00, kommentieren

Es ist schon Mai!!!

Wow, ich kann nur nochmal sagen, wie schnell die Zeit vergeht. Alle freuen sich auf die Sommerferien, aber ich weiß einfach nicht, ob ich glücklich oder traurig sein soll.

Da sind natürlich die Leute, mit denen ich am meisten zu tun hatte (allen voran meine Gastfamilie) und die mir sehr fehlen werden, aber auch solche, die irgendwie selbstverständlich sind, mit denen man nicht immer was macht, aber zu denen man immer hingehen kann und über einen Witz lachen, sich Hilfe holen, Neuigkeiten austauschen. Von denen gibt es auch eine ganze Menge. Zusammen sind das viele Menschen, die ich nicht verlassen möchte, vor allem nicht mit der Garantie, sehr viele nie wieder zu sehen. Diese Schule und diese Leute, das ist alles irgendwie eine andere Welt, und natürlich sind all meine Erinnerungen von Zuhause auch noch präsent, ich vermisse einiges, aber meistens konzentriert man sich automatisch auf den Augenblick und realisiert dabei gar nicht so sehr, dass es nicht schon immer so gewesen ist. Und ich weiß, dass es mir zu Hause nach höchstens ein oder zwei Wochen so vorkommen wird, als wäre ich nie weg gewesen, und das ist es, was mir Angst macht: dass jeder und alles hier nur zu einer Geschichte werden, die ich mal gelesen habe.

Obwohl sich zu Hause doch einiges geändert hat: Mein Zimmer hat eine neue Farbe, und bisher habe ich zwar ein Foto davon gesehen, wie die Farbe an der Wand aussieht, aber noch keins vom ganzen Zimmer - das werde ich auch erst, wenn ich nach Hause komme. Bis dahin muss ich denen vertrauen, die das Original oder Fotos gesehen haben und sagen, dass es gut aussieht; meine Eltern, meine Schwester und meine Gastfamilie.

Natürlich werden wir in der elften Klasse sein - auch wenn ich mich jetzt schon wie eine Elftklässlerin fühle. In verschiedenen Zusammenhängen sind wir Austauschschülerinnen hier als verschiedene Jahrgänge eingestuft; 10. für Notenvergleich, unsere Locker sind im Flur der Juniors (11.) und auch sonst sind wir hauptsächlich das, mit den Seniors (also Zwölftklässlern) gehen wir auf den Senior Trip und nehmen an der Graduation Zeremonie teil. Wenn ich Sophomore, also 10. Klasse, höre, denke ich von denen als "die Kleinen" und muss mich immer wieder daran erinnern, dass ich ja im gleichen Jahrgang bin und die fast alle älter sind als ich.

Größtenteils haben sich die Essensgewohnheiten unserer Länder angepasst. Man findet hier sogar vereinzelt Milka, Lindt, Rittersport oder Haribo - von Kinder haben die hier gehört, wird aber nicht verkauft, Überraschungseier sind sogar verboten (dass wir nicht viele der amerikanischen Sorten haben, liegt daran, dass die Schokolade hier einfach schlecht schmeckt, und das wissen die Amerikaner auch). Manche Sachen sind aber doch sehr anders. Ich habe mal eine Liste erstellt mit den Sachen, die mir am verrücktesten vorkommen - ich bin mir sicher, dass einiges für einige von euch nicht so absurd klingt wie für mich, aber wenn nicht jeder wenigstens eine Sache findet, die er für total seltsam hält, wäre ich sehr überrascht. Also: "Bretzeln", verkauft als kleine Laugenbrötchen, meistens in Knoblauchbutter, mit Soße nach Wahl (Pizza- oder Käsesoße zum Beispiel); jeder erklärt mich für verrückt, weil ich einfache Nudeln mit Ketchup esse - Mac & Cheese (also mit Nudeln in einer etwas dickeren Käsesoße) werden aber mit Ketchup gegessen (in Wisconsin wird einfach alles mit Käse gegessen); auch Brokkoli oder Kartoffeln werden mit Käse gegessen; Suppe oder Nudeln auf Brot; Chili Dog, also Hot Dog mit einer Art Chili con Carne drauf; Cheese Dog, mit Käse gefüllt; Corn Dog, quasi Hot Dog am Stiel - es ist deutlich schlechter, als es klingt; Eis und Erdnussbutter; Banane und Erdnussbutter; Rührei und Ketchup; Salz auf der Wassermelone; Trail Mix aus gesalzenen Erdnüssen, M&Ms und Rosinen - das schmeckt in der Tat ziemlich gut. 

Ich habe noch kaum fünf Wochen in Wisconsin - dann noch zweieinhalb in Kalifornien - und es gibt so viel zu tun. Am Mittwoch haben wir eine Art Frühlingskonzert, wo die Gewinner von Gold in dem Poesievorlesewettbewerb Forensics (man war nett zu mir, also gehöre ich dazu) und die Leute, die zum nächsten Wettbewerb auf State-Niveau gehen von Band (da gehöre ich auch dazu) bzw. von Chor (da ganz sicher nicht) eins ihrer Stücke zum Besten geben. Am folgenden Samstag ist dann der Wettbewerb für die Musik-Leute, da gilt im Moment nur üben, üben, üben. In der ganzen Woche haben wir 7 Softball-Spiele, da wir wegen schlechten Wetters eine Menge nachzuholen haben. Am Wochenende danach machen wir Austauschschüler aus aller Welt dann unseren Trip, von Samstag bis Montag, in einen Freizeitpark. Wird sicher cool! Am folgenden Samstag veranstaltet meine Gastfamilie eine kleine Graduation/Auf-Wiedersehen Party für mich, ein paar Leute sehe ich da schon zum letzten Mal. Dann startet die letzte Schulwoche und am letzten Maisamstag ist Graduation. Das wird alles so schnell kommen...

Im Rückblick auf die letzten paar Wochen kommt mir als erstes Prom in den Sinn. Es war sehr nett, nach einer Weile gab es zwar sehr schlechte Luft in dem doch recht kleinen Raum, aber wir alle hatten eine Menge Spaß, und natürlich gibt es eine Menge Fotos von uns in den schicken Kleidern. Außer "Flash Mobs", oder Line Dances, wie sie hier genannt werden, waren keine geplanten Tänze dabei, die werden hier nie gelehrt. Neu war dann natürlich Prom Court, der Beliebtheitswettbewerb. Der elfte Jahrgang wählt die beliebtesten Schüler aus diesem Jahrgangs, 8 Jungs und 8 Mädchen, die planen dann eine Menge und marschieren am Promabend paarweise auf. Ein paar Tage vorher hat die ganze High School dann die insgesamt beliebtesten beiden gewählt, ein Junge und ein Mädchen, die eben Prom King und Prom Queen sind, wie man das aus den ganzen Filmen kennt. Aber diese Wahl war auf jeden Fall gut, die netten Beliebten haben gewonnen und nicht die vergleichsweise eher eingebildeten.

Ich habe das Gefühl, dass ich noch so viel mehr erzählen müsste, man kann ja immer nur einen kleinen Einblick verschaffen. Wenn mir noch was einfällt, das ich unbedingt erzählen möchte, kann ich ja nochmal einen kürzeren Eintrag schreiben.

Also: Ganz viel Glück für die letzten 1, 2 Prüfungen der Abiturienten!

Eine schöne Woche euch allen!

 

Herzliche Grüße, Rieke

 

 

Hier ein paar Fotos, die am Tag der Prom von uns gemacht wurden:

 


 

1 Kommentar 2.5.16 19:57, kommentieren